Donnerstag, Oktober 27, 2011

Empört euch!

Das Essay hat mich jetzt doch mehr interessiert als mein angefangenes Buch, daher habe ich die knapp 30 Seiten quasi dazwischen geschoben.

Stéphane Hessels Streitschrift bewegt die Welt. Der gebürtige Berliner war Mitglied der Résistance, hat das KZ Buchenwald überlebt und ist einer der Mitautoren der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen. Mit emphatischen Worten ruft der ehemalige französische Diplomat zum friedlichen Widerstand gegen die Unzulänglichkeiten unserer Gesellschaft auf. Er beklagt, dass der Finanzkapitalismus die Werte der Zivilisation bedroht und den Lauf der Welt diktiert. Er prangert die Lage der Menschenrechte an, kritisiert die ökologische Zerstörung unseres Planeten und verurteilt die Politik Israels im Gaza-Streifen als Demütigung der Palästinenser. Stéphane Hessel ist das Gewissen der westlichen Welt und »Frankreichs Rebell der Stunde« (FAZ). [Quelle]

Das Essay hat in den letzten Monaten sehr viel Aufmerksamkeit bekommen und ist in Deutschland schnell in die Bestsellerlisten aufgerückt. Was ich angesichts der Oberflächlichkeit nicht nachvollziehen kann. Gut, 14 Seiten (die restlichen Seiten enthalten Fußnoten und ein Nachwort der Verlegerin) sind etwas knapp für ausschweifende philosophische Betrachtungen, aber etwas mehr fundierte Kritik hätte sicher Platz gefunden. So drängt sich eher der Eindruck einer Zusammenfassung von wohlbekannten Missständen auf. Das Monierte ist nichts neues, Palästina-Frage, Umweltzerstörung, soziale Ungleichheit und Finanzkapitalismus werden nicht erst seit gestern offen diskutiert. 

Der Aufruf zur Empörung, zum Widerstand ist vor allem an die Jugend gerichtet, die sich aber wohl nur schwer mit Herrn Hessels Ideen wird identifizieren können. Denn Stéphane Hessel beruft sich auf den Geist der Résistance und der UN-Gründung. Prinzipiell verständlich, denn dort liegen seine Anfänge, aber wohl kaum geeignet um die heutige Jugend zu motivieren. Abgesehen davon möchte ich dem Großteil der Jugend die Kenntnis um die geschichtlichen und gesellschaftspolitischen Zusammenhänge und damit die Basis dieses Appells absprechen. 

Aber: für jeden der sucht findet sich in den wenigen Zeilen dieses "Buches" sicher eine kleine, feine Inspiration.

2 Kommentare:

  1. Hihi, gerade erst aus der Bibo geholt gehabt und schon gelesen?! Wobei das Essay nicht wirklich so spannend klingt?! :(
    Ich wünsche dir mehr Lesefreude mit den anderen Büchern :) Ich freu mich schon echt auf Mo- ein Lichtblick nach der Exkursion!

    LG
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  2. Eigentlich hatte ich mir von dem Essay einiges versprochen, der Autor hat ja auch das "pèlerinages" in Weimar dieses Jahr eröffnet. Seine Rede dort hätte mir aber wohl eine Warnung sein sollen... Da hat er sehr ausweichend, wenn überhaupt, über Fragen der deutschen Gedenkkultur philosophiert.

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